Interview mit Franziska Scharpf, Präsidentin der Bayerischen Landesapothekerkammer

Was hat Sie dazu bewogen, sich für das Amt der Präsidentin der BLAK zur Wahl zu stellen?

Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich diesen Schritt wirklich gehen soll. Aber je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto klarer wurde mir: Wenn ich wirklich etwas verändern möchte, muss ich auch bereit sein, Verantwortung zu übernehmen.
Ich bin seit vielen Jahren in der Apothekerschaft engagiert – berufspolitisch, aber auch als selbständige Apothekerin. In den letzten Jahren habe ich gemerkt, wie groß der Wunsch bei vielen Kolleginnen und Kollegen ist, dass wir aktiver, sichtbarer und lösungsorientierter agieren – sowohl innerhalb der Kammer als auch nach außen. In meiner Präsidentschaft möchte ich Bewährtes fortführen und zugleich neue Impulse setzen.

Was möchten Sie in Ihrer Amtszeit gerne bewirken?

Verbinden, Hinhören, Gestalten – diese drei Stichworte fassen gut zusammen, wofür ich als Präsidentin, aber auch als Person stehe. Ich möchte, dass wir als Kammer wieder mehr als starke Stimme für unseren Beruf wahrgenommen werden.
Ich wünsche mir, dass die Bayerische Landesapothekerkammer ein Ort ist, an dem Ideen entstehen, Perspektiven zusammengeführt und Lösungen mitgestaltet werden. Ein Raum, in dem pharmazeutische Dienstleistungen weitergedacht, Nachwuchs gefördert und Digitalisierung praxistauglich begleitet wird.

Mir liegt besonders am Herzen, dass wir wieder mehr Stolz und Selbstbewusstsein für unseren Beruf entwickeln – denn Apothekerinnen und Apotheker leisten Tag für Tag einen unverzichtbaren Beitrag zur Versorgung der Menschen.
Wichtig ist mir, alle Perspektiven einzubeziehen – aus öffentlicher Apotheke, Klinik, Wissenschaft, Verwaltung und Lehre. Wir gehen viele Wege im Beruf, aber wir sind ein gemeinsamer Berufsstand.

Zudem ist es mir ein Anliegen, unser politisches und interprofessionelles Netzwerk zu pflegen und auszubauen – um im Sinne der Versorgung aktiv mitzugestalten. Ganz aktuell kämpfe ich auf Bundes- wie auf Landesebene dafür, dass die im Koalitionsvertrag angekündigten Maßnahmen zur Stärkung der Apotheken schnellstmöglich umgesetzt werden.

Nach 2 Monaten im Amt, was ist anders als Sie gedacht haben?

Vieles ist tatsächlich genauso intensiv, wie ich es befürchtet – und erhofft – hatte. Was mich aber wirklich berührt, ist die Offenheit, mit der ich empfangen wurde.
Ich bekomme von Kolleginnen und Kollegen, aus der Politik auf Landes- wie Bundesebene und von den verschiedenen Kammern und Verbänden viel Rückhalt, Zuspruch und ehrliches Feedback – das macht Mut und gibt Kraft.
Natürlich ist es herausfordernd, sich so schnell in all die verschiedenen Themen einzuarbeiten. Aber ich merke: Ich bin nicht allein. Das große Engagement im Ehrenamt und die konstruktive Zusammenarbeit im Vorstand sowie mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kammergeschäftsstelle sind großartig. Es gibt viele engagierte Menschen innerhalb unserer Apothekerfamilie, die mitziehen und mitdenken – das trägt mich sehr.

Gibt es spezielle frauenspezifische Themen, die Sie in Ihrer Amtszeit gerne angehen möchten?

Ja, und das ist mir ein echtes persönliches Anliegen. Der Apothekerberuf ist weiblich – aber in der berufspolitischen Realität spiegelt sich das noch nicht ausreichend wider.
Ich möchte Frauen ermutigen, sich mehr zuzutrauen – in Führungspositionen, im Ehrenamt, in der Selbstständigkeit. Ich bin Apothekeninhaberin und Mutter von drei kleinen Kindern – glauben Sie mir: Ich weiß, wie schwer es manchmal ist, Familie, Beruf und ehrenamtliches Engagement unter einen Hut zu bringen.
Aber ich weiß auch, wie viel Kraft und Potenzial in uns Frauen steckt. Wir müssen uns gegenseitig stärken – und vor allem Strukturen schaffen, die es ermöglichen, alles zu leben: Beruf, Familie und persönliches Engagement.

Würden Sie Frauen empfehlen, sich als Apothekerin selbstständig zu machen? Der Trend geht aktuell ja verstärkt zum Angestelltenverhältnis. Was ist Ihre Erfahrung in den letzten Jahren hierzu?

Ja, aus voller Überzeugung. Ich bin selbst seit vielen Jahren selbstständig und würde diesen Weg jederzeit wieder gehen. Natürlich ist es ein großer Schritt – und ja, er bringt Verantwortung mit sich. Aber er bringt auch viel Freiheit, Gestaltungsspielraum und oft größere Flexibilität, gerade was die Vereinbarkeit mit der Familie betrifft.
Gerade für Frauen kann die Selbstständigkeit eine echte Chance sein, eigene Vorstellungen von Arbeit und Leben umzusetzen.
Es ist wichtig, dass wir junge Apothekerinnen ermutigen, diesen Schritt zu gehen –aber dafür müssen wir ihnen die richtigen Rahmenbedingungen sowie eine leistungsgerechte Honorierung bieten. Außerdem braucht es mehr weibliche Vorbilder, die sagen: „Ich habe es geschafft – und du kannst das auch!“ Diesen Mut möchte ich weitergeben.

Der Fachkräftemangel betrifft ja auch die Apotheker, haben Sie Ideen, was speziell die BLAK dagegen unternehmen kann?

Ja, der Fachkräftemangel ist eine unserer drängendsten Herausforderungen. Und ich bin überzeugt: Wir können dieses Problem nur lösen, wenn wir es ganzheitlich angehen.

Es geht nicht nur darum, „irgendwie mehr Leute“ zu finden, sondern vor allem darum, die Arbeitsplätze in der öffentlichen Apotheke wieder attraktiv zu machen. Wir müssen deutlich machen, wie spannend, sinnstiftend und vielfältig unser Beruf ist. Ich wünsche mir, dass junge Menschen wieder sagen: „Ich will Apotheker oder Apothekerin werden, weil ich als Heilberuflerin oder Heilberufler in der Gesellschaft etwas bewegen kann.“
Dazu gehören faire Bezahlung, gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie langfristige Perspektiven um die Pharmazie leben zu können.

Die BLAK kann hier Brücken bauen – durch Kommunikation mit der Politik und anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen, durch gezielte Fort- und Weiterbildung, durch innovative Nachwuchsförderung.
Seit Kurzem haben wir hierzu einen Runden Tisch der Hochschulprofessoren in Bayern ins Leben gerufen, um gegenseitige Unterstützungsmöglichkeiten auszuloten. Außerdem bauen wir gerade intensive Verbindungen zu den Fachschaften auf. Die aktuelle Nachwuchs-Kampagne „Du machst Bayern gesund“, die wir gemeinsam mit dem Bayerischen Apothekerverband und mit Unterstützung des Bayerischen Gesundheitsministeriums realisiert haben, ist ein starkes Beispiel dafür, wie gemeinsame Verantwortung konkret gelebt werden kann.

Zum Schluss:

Offener Dialog, konstruktive Zusammenarbeit und gemeinsames Gestalten – das sind für mich keine Schlagworte, sondern der Weg, wie wir gemeinsam etwas bewegen können.
Ich bin überzeugt: Wenn alle im Gesundheitswesen Beteiligten ihre Perspektiven ab und zu wechseln, sich austauschen und auf Augenhöhe zusammenarbeiten, entstehen die Lösungen, die wir für starke Apotheken vor Ort und eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung in Bayern – und in ganz Deutschland – brauchen.
Hier ist übrigens der Verband Freier Berufe eine wichtige Unterstützung für mich. Danke dafür – ich bringe mich auch hier sehr gerne weiter ein.

Vielen Dank, liebe Frau Scharpf, das Sie sich die Zeit genommen haben, unsere Fragen zu beantworten. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit und den Austausch mit Ihnen.


© Verband Freier Berufe Bayern e.V.